Freitag, 30. März 2018

HomeOffice - Arbeiten am Wohnort

Die Software-Firma MySQL AB in Schweden¹ war Vorreiter, was das Thema Home Office angeht. Sie wollten die besten Entwicklerinnen und Entwickler der Welt beschäftigen ohne sie zu entwurzeln. Dafür entwickelten sie Prozesse und Strukturen, so dass alle Beschäftigten bequem von ihren Wohnorten arbeiten konnte.

Ich war ab 2007 bei MySQL angestellt und fand ausschließlich zufriedene Beschäftigte vor. Fluktuation gab es eigentlich nur im Sales-Bereich. Die technischen Beschäftigten wechselten zwar hin und wieder die Teams, blieben aber im Unternehmen. Es war wie eine große Familie. Die geringe Fluktuation und hohe Zufriedenheit hatte natürlich eine hohe Effektivität zur Folge.

Als wir 2009 für eine Milliarde Dollar an Sun Microsystems verkauft wurden, lernten wir bei Sun Kollegen kennen, die im Home Office absolut unzufrieden waren. Sun hatte in Deutschland, um Geld zu sparen, einige Standorte geschlossen und die Beschäftigten völlig unvorbereitet und ohne Hilfestellung ins Home Office geschickt, ohne interne Prozesse und Strukturen dafür anzupassen.

Darüber hinaus gab es bei Sun die Möglichkeit der Mischung von Arbeiten in einem Standort und zu Hause. Modelle wie, zwei Tage daheim, drei Tage Büro. Das ist ein völlig anderes Modell und hat mit dem echten Home Office kaum etwas gemeinsam.

Das echte Home Office bedeutet, die Beschäftigten haben keinen Arbeitsplatz am Firmenstandort. Sie arbeiten, solange sie nicht bei Kunden vor Ort sind, ausschließlich in der Nähe ihres Wohnortes. Home Office heisst nicht zwingend, dass die Beschäftigten bei sich zu Hause sitzen, sie können sich ihren Arbeitsplatz durchaus auch in einem Co-Working-Space oder Gemeinschaftsbüro oder sonst wo einrichten. Der Arbeitsplatz selbst, sollte lediglich in der Nähe des Wohnortes sein. Wegen Feiertags- und eventueller, anderer länderspezifischen Regelungen, sollte der Arbeitsplatz im selben Bundesland sein, wie der Wohnort.

Was die Kosten für Arbeitgebende angeht, so werden beim echten Home Office im Vergleich zur Bereitstellung von Gebäuden, Büroeinrichtungen usw. keine Kosten gespart.

Beim echten Home Office können Beschäftigte den Arbeitsplatz von der Steuer absetzen. Die Arbeitgeberin hat sich selbstverständlich in angemessener Weise an den Kosten für Strom, Internet, Telefon, Heizung, Raumausstattung, Raummiete und so weiter zu beteiligen.

Beim drei-zwei-Modell fehlen gesetzliche Regelungen. Da den Beschäftigten ja ein Arbeitsplatz am Standort bereit gestellt wird, ist es nicht nur schwierig, das heimische Büro von der Steuer abzusetzen, sondern auch die Übernahme der anderen Kosten durch die Arbeitgeberin ist gesetzlich nicht eindeutig vorgeschrieben.


¹ MySQL AB wurde 2009 für eine Milliarde Dollar an Sun Microsystems verkauft, die 2010 an Oracle verkauft wurden.

Dienstag, 27. März 2018

Späterer Schulstart im Westen entspricht der natürlichen Zeit

In NRW wird überlegt, dass Schulen erst um 8:30 starten sollten, da Forscher herausgefunden haben, dass das effektiver sei. Kein Wunder, denn ein Schulstart um 8:30 Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) bzw. Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) entspricht in den Ländern: Baden Württemberg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland Pfalz, Saarland und Schleswig Holstein etwa der natürlichen lokalen Zeit von 8:00 im Winter und 7:00 im Sommer.

Was? Hä? Wie Bitte?

Bevor ich es detailiert erkläre, hier die Übersicht, was bestimmte Vorgaben und Anfangszeiten in der natürlichen, lokalen Zeit der genannten Bundesländer bedeuten:

Mitteleuropäische (Sommer) Zeit
MEZ / MESZ
natürliche lokale Zeit im Winter natürliche lokale Zeit im Sommer
Schulstart 8:00 7:30 6:30
Mittag 12:00 11:30 10:30
Mitternacht 0:00 23:30 22:30
Nachtruhe / Nachtarbeit 22:00 bis 6:00 21:30 bis 5:30 20:30 bis 4:30
Bürozeit 8:00 bis 17:00 7:30 bis 16:30 6:30 bis 15:30
Ladenöffnung Innenstadt 10:00 bis 20:00 9:30 bis 19:30 8:30 bis 18:30
Ladenöffnung Supermarkt 7:00 bis 22:00 6:30 bis 21:30 5:30 bis 20:30
Wochenmarkt 7:00 bis 13:00 6:30 bis 12:30 5:30 bis 11:30


Anhand der Tabelle wird klar, warum in den westlichen Ländern ein späterer Schulstart, ein späterer Bürostart, spätere Öffnungszeiten und so weiter durchaus sinnvoll sind. Eine Alternative wäre, die Uhrzeit anzupassen. Das würde aber vermutlich zu viele Menschen, die bis jetzt noch keinen Umgang mit UTC haben, verwirren.

Jetzt aber zur Erläuterung:
  • Wir erinnern uns: 12 Uhr ist, wenn die Sonne am höchsten steht. 
  • Es wurde sich weltweit darauf geeinigt, dass der Nullmeridian durch Greenwich verläuft.
  • Greenwich Mean Time (GMT) ist die Vorlage für die koordinierte Weltzeit, in französisch: Temps Universel Coordonné (UTC), in englisch: coordinated universal time
  • Der Unterschied zwischen GMT und UTC ist, dass bei UTC zusätzlich Schaltsekunden berücksichtigt werden.
  • Computer, Reiseverkehr per Luft, Bahn und Schiff und vieles Andere, das weltweit / internationale / global abgestimmt wird, rechnet mit Uhrzeiten in UTC 
Wir haben also längst eine Weltzeit, die sich UTC nennt. Alle Zeitzonen sind heutzutage nach UTC ausgerichtet. MEZ ist dabei UTC + 1 Stunde, MESZ entsprechend UTC + 2 Stunden. Plus, weil wir uns östlich vom in England gelegenen Greenwich befinden und durch die Erddrehung die Sonne bei uns früher aufgeht, als in England.

Plus bedeutet vor Greenwich oder auch östlich von 0, minus nach Greenwich oder westlich von 0.

Zeitzonen werden anhand der Längengerade berechnet. Die Erde braucht 24 Stunden, um sich einmal um die eigenen Achse, also 360°, zu drehen.

360° : 24 Stunden = 15° pro Stunde

Das bedeutet, die Sonne geht am 15. Längengrad Ost eine Stunde früher auf, als am Nullmeridian und am 15. Längengrad West entsprechend eine Stunde später.

Wir sind östlich, dass heisst, bei uns geht die Sonne früher auf, erreicht früher ihren höchsten Stand und geht früher unter.

MEZ ist UTC+1, dass heisst, das Zentrum von MEZ liegt also bei 15° östlicher Länge. Wo aber ist das?

Deutschland westlicher Punkt liegt bei 5,55° östlicher Länge und der östlichste bei 14,65° östlicher Länge. Der 15. Längengrad und damit das Zentrum von MEZ liegt also östlich von Deutschland.

Das Zentrum des Halbstundenversatz zum Nullmeridian - also UTC + 0,5 Stunden - liegt bei 7,5° östlicher Länge. Das ist ungefähr die Linie: Helgoland - Jever - Hamm - Bingen am Rhein - Kaiserslautern - Freiburg im Breisgau.

Wenn wir jetzt eine Abweichung von 15 Minuten einrechnen, geht der Halbstundenversatz von 3,75° Ost bis 11,25° Ost. In diesem Bereich liegen die oben aufgeführten Bundesländer: BaWü, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig Holstein.

Die natürliche lokale Zeit ist in diesen Ländern also UTC+0,5 und daher ist es nicht verwunderlich, dass ein späterer Schulstart und andere Anpassungen förderlich sind.

Sonntag, 25. März 2018

Was ist eigentlich Consulting?

Trainer und Consultant ist eine in der IT weit verbreitete Berufsbezeichnet. Entweder als Junior oder als Senior oder einfach nur Trainer und Consultant. Was aber genau macht ein IT-Trainer und Consultant? Und welche Voraussetzungen sind dafür erforderlich?

Trainer sind Schulende, Ausblindende, Lehrende. Sie vermitteln Fachwissen. Zum Beispiel bringen Sie Administratoren bei, wie eine bestimmte Software installiert, frisiert, gewartet, aktualisiert oder verfügbar gemacht wird, Programmierern bringen sie eine Programmiersprache bei. Verwaltern (Managern) erklären sie, was beim Thema Datenschutz oder Datensicherheit zu beachten ist und so weiter.

Die Übersetzung für Consulting ist Beratung. Genau das machen Consultant. Sie beraten Unternehmen. Sie lassen sich zum Beispiel von den Administratoren oder Programmierern die aufgetretenen Probleme zeigen und geben Tipps und Tricks zur Lösung. Sie beraten, welche Backup- und Verfügbarkeitsstrategien für das Unternehmen sinnvoll ist, welche Hardware oder Software eingesetzt werden könnte, sie helfen bei der Findung von Businessstrategien und so weiter.  Darüber hinaus schreiben Consultant auf Verlangen auch schon mal Stellungnahmen.

Der Übergang vom Trainer zum Consultant ist fliessend. Beide vermitteln Fachwissen und helfen beratend Unternehmen, Administratoren und Entwicklern bei der Lösung oder Lösungsfindung ihrer Probleme. Daneben wird bei schwierigen Operationen gerne ein Consultant gerufen, der zum einen die Ausführung beratend begleitet und zum anderen beruhigend während der Ausführung zur Seite steht.

Ein echter Consultant nimmt niemals die Tastatur des Kunden in die Hand. Ein echter Consultant greift niemals selbst aktiv in die Systeme des Kunden ein. Ein echter Consultant steht beratend zur Seite. Das hat zum einen natürlich auch Haftungshintergründe, zum anderen ist die Berufung eines Consultant, anderen sein Wissen weiter zu geben, damit sie zukünftig eigenverantwortlich und selbständig ihre Probleme lösen können.

Immer wieder werden angebliche Consultant-Verträge geschlossen, die eher einer Arbeitnehmerüberlassung ähneln. Verträge, bei denen dann der Consultant selbst als Administrator oder Programmierer die Probleme des Kunden beheben soll. Das hat mit Beratung wenig gemeinsam und ist lediglich eine falsche Bezeichnung für die Tätigkeit. In anderen Branchen wird es Techniker oder Handwerker genannt.

IT-Trainer und Consultant haben in der Regel studiert und einen besonderen Bezug zu dem Fachgebiet, in dem sie aktiv sind. Entweder sind oder waren sie selbst an der Entwicklung des Produktes beteiligt oder stehen dem Produkt und den Herstellern sehr nahe. Es ist ein ganz eigenständiger Beruf, der neben viel Erfahrung und hoher Expertise entweder ein abgeschlossenes Studium, einen Abschluss als Meister in der Fachinformatik oder zumindest hohe Fachexpertise plus Abschluss eines Ausbilderscheins erfordert.


Samstag, 24. März 2018

Tips und Tricks zum Schreiben in Englisch

Der Chemnitzer Linuxtag war super! Viele Besucher, viele bekannte Gesichter, viele spannende Vorträge, viel Socialising. Ich hatte Euch versprochen, meine Folien zum Englisch-Vortrag zu veröffentlichen, damit Ihr die dort erwähnten Links habt.

Hier sind sie:
https://drive.google.com/file/d/1cQjSvuILSqaSxmzmhsByAB-diqdBCH8j/view?usp=sharing

Freitag, 23. März 2018

Kündigungschutz nach Totgeburt

Wusstet Ihr das?
Frauen haben auch nach Fehl- und Totgeburt einen viermonatigen Kündigungsschutz.

Schwangerschaftswochen werden ab der letzten Periode gerechnet. Bei regelmäßigen Zyklen ist die tatsächlich Empfängnis entsprechend circa zwei Wochen später.

Ich habe mit rund hundert Frauen gesprochen. Davon hatten rund 50 mindestens eine Tot- oder späte Fehlgeburtserfahrung. Sie alle haben von ihrer Schwangerschaft zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche erfahren.

In den ersten elf Wochen besteht ein hohes Fehlgeburt-Risiko, so genannte Frühaborte. Das Risiko ist extrem hoch. Ich habe immer wieder gelesen, dass Experten davon ausgehen, dass etwas 2/3 aller befruchteten Eizellen in den ersten Wochen absterben.

Da das Risiko so hoch ist, geben viele Frauen ihre Schwangerschaft erst ab der zwölften Woche bekannt.

Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto geringer das Risiko. Solange das Baby unter 500 Gramm wiegt (etwas bis zur 20. / 22. Schwangerschaftswoche) wird von Fehlgeburt gesprochen. Wiegt es 500 oder mehr Gramm, wird von Totgeburt gesprochen.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein Schwangerschaftsabort in der 18. Schwangerschaftswoche genauso hart ist, wie in der 24.

Beide Male habe ich direkt nach Schwangerschaftsabbruch die Kündigung erhalten. "Der Mutterschutz sei ja vorbei." Das habe ich damals geglaubt. So wie mir, ging es auch allen Frauen, mit denen ich gesprochen habe, die nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt waren.

Keine von uns hat die Rechtmäßigkeit der Kündigung angezweifelt.

Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, schrieb ich eine Petition an den Bundestag, und bat um einen Kündigungsschutz auch nach später (ab der 12. Woche) Fehlgeburt und Totgeburt.

Der Bundestag teilte mir nach Prüfung meiner Petition mit, dass es bereits einen viermonatigen Kündigungsschutz nach Totgeburt gibt.

Ich hatte zwar um ein Jahr Kündigungsschutz gebeten, und der Bundestag hat es abgelehnt. Aber es freut mich trotzdem, dass es wenigsten vier Monate gibt.

Ich möchte, dass es weitererzählt wird, damit Frauen, denen das passiert, den Weg zum Anwalt vagen und ihre Rechte einklagen.